Kehrsatz verzeichnete in den letzten Jahren ein stetiges Bevölkerungswachstum. Durch die Zunahme auf gut 4700 Einwohnende stieg auch die Anzahl der Schülerinnen und Schüler. Diese Entwicklung erforderte eine kontinuierliche Anpassung der Räumlichkeiten innerhalb der Schulliegenschaften. Dank den vor Jahrzehnten grosszügig geplanten Anlagen – namentlich im Selhofen – gelangen diese Optimierungen bisher gut. Dennoch bestehen mittlerweile räumliche Engpässe. Die Schulhäuser entsprechen nicht mehr den Anforderungen an zeitgerechten Unterricht, es fehlen Gruppen- und Fachräume zur flexiblen Nutzung. Ein weiterer Bedarf besteht bei den Tagesschulen.
Die Gemeinde Kehrsatz verfügt über zwei Schulareale, die Anlagen Selhofen und Dorf. Dazu kommen fünf über das Gemeindegebiet verteilte Kindergärten: Bahnhofmatte, Dorf, Hagwiese, Mätteli und Selhofen. Bei der Anlage Dorf wird auch die Tagesschule betrieben. Auf diese Schul- und Kindergartengebäude verteilen sich rund 600 Kinder und Jugendliche in 29 Klassen (Stand September 2024).
Im Mai 2023 setzte der Gemeinderat eine neue Arbeitsgruppe ein, bestehend aus den Gemeinderatsmitgliedern der Ressorts Bau und Infrastruktur sowie Bildung und Jugend, einer Vertretung der Schulleitung, dem Bauverwalter und dem Geschäftsleiter. Diese Gruppe erarbeitete ein Schulraumkonzept, das auf der Bedarfsanalyse des Ressorts Bildung und Jugend sowie der Schulleitenden basierte. An einer Klausurtagung im Mai 2024 führte der Gemeinderat Grundsatzdiskussionen über den künftigen Schulraumbedarf und beschloss das weitere Vorgehen. Im Januar 2024 hatte der Gemeinderat den Kredit für ein Qualitätssicherndes Verfahren genehmigt. Qualitätssichernde Verfahren haben den Zweck, die Anforderungen an die städtebauliche und architektonische Qualität sicherzustellen und ein breites Spektrum an innovativen Lösungen aufzuzeigen.
Die Kehrsatzer Schulraum-Strategie ist das Ergebnis eines Qualitätssichernden Verfahrens. Das Verfahren bestand aus vier Sitzungen eines zehnköpfigen Gremiums, darunter drei Gemeinderatsmitglieder und der Bauverwalter, ein Mitglied der Schulleitung, ein Architekt, externe Fachpersonen für Städtebau und Landschaftsarchitektur, ein Vertreter des Berner Heimatschutzes und eine Verfahrensbegleitung. Am 15. August 2024 nahm der Gemeinderat den Abschlussbericht des Qualitätssichernden Verfahrens, die sogenannte Volumenstudie, zur Kenntnis und verabschiedete die Strategie zu den künftigen Schul- und Kindergartenstandorten. Dabei fiel auch der Grundsatzentscheid, dass nicht mehr einzelne Kindergärten, sondern Doppelkindergärten geführt werden sollen, unter anderem der Doppelkindergarten Selhofen, der an dieser Sitzung schon definitiv genehmigt wurde. Beim Kindergarten Selhofen handelt es sich um das dringendste Vorhaben, weil ab Sommer 2026 Bedarf für eine sechste Kindergartenklasse besteht und kostspielige provisorische Lösungen vermieden werden sollen.
Laut einem Entwurf des Räumlichem Entwicklungskonzepts (REK) ist bis 2040 ein Bevölkerungswachstum von 4700 auf rund 5500 Einwohnende zu erwarten. Dieses Wachstum wird hauptsächlich über die Bautätigkeit auf der Bahnhofmatte (Projekt «Kehrsatz Mitte») erfolgen. Dieses Wachstum ist in der Schulraumplanung mitberücksichtigt.
Durch Umverteilungen ist es derzeit noch möglich, mit der bestehenden Anzahl Klassenzimmer auszukommen. Dafür braucht es aber grosse Flexibilität der Lehrpersonen und Kinder und Jugendlichen. So müssen Schülerinnen und Schüler auf die Gänge ausweichen, weil für Gruppenarbeiten zu wenig entsprechende Räume zur Verfügung stehen. Den Kindergärten fehlen total 215 Quadratmeter, dazu kommen etliche weitere Bedürfnisse. Im Selhofen fehlt beispielsweise ein Arbeitsraum für die Lehrperson, im Mätteli und im Hagwiesen ebenso, die Kindergärten Bahnhofmatte und Hagwiesen haben keine gedeckten Eingänge. Fast überall mangelt es grundsätzlich an Gruppenräumen oder an der vom Kanton vorgegebenen Grösse eines Gruppenraums. Der Primarschule Selhofen fehlen 9 Gruppenräume, der Oberstufe Selhofen ebenso. Die Unterstufe im Dorfschulhaus braucht ab 2026 total 6 Gruppenräume, je 3 im alten und neuen Dorfschulhaus, und ein Klassenzimmer. Der Tagesschule im Dorfschulhaus fehlen bei einem Soll-Zustand von 635 Quadratmetern deren 385 (250 Quadratmeter Ist-Zustand).
Die Unterrichtsmethoden in der Schule von heute haben sich gegenüber früher grundlegend geändert. Der Lehrplan 21 verlangt genügend Gruppenräume, damit Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit zum selbständigen Lernen erhalten. Heutzutage geht es im Unterricht verstärkt um individuelles Lernen, die persönliche Entfaltung spielt eine entscheidende Rolle. Das eigene Tun und Denken benötigt eine andere räumliche Ausgestaltung der Lernumgebungen. Damit es Kindern möglich ist, parallel unterschiedliche Arbeiten zu erledigen, sollten genügend Zimmer zur Verfügung stehen. Im zeitgerechten Unterricht gibt es neben der Wandtafel auch Laptops, Tablets oder Whiteboards; zudem nehmen Schülerinnen und Schüler oft Audio- oder Videobeiträge auf, wofür ein Raum nötig ist, in dem keine anderen Geräusche zu hören sind. Wie Gruppen- gehören gut ausgerüstete Fachräume zum heutigen Standard. Kinder und Jugendliche profitieren mehr, wenn sie Kompetenzen nicht nur theoretisch, sondern auch in Übungen erlernen.
Nach den kantonalen Vorgaben strebt die Gemeinde Klassengrössen von 20 bis 25 Schülerinnen und Schülern an.
Die Zahlen steigen bis 2040 von heute rund 600 Schülerinnen und Schülern auf über 700 an, vorausgesetzt, die Bevölkerung steigt bis dahin wie prognostiziert von 4700 auf 5500 Einwohnerinnen und Einwohner an. Diese Berechnungen basieren auf der Annahme einer linearen Zunahme von 11 bis 13 Schülerinnen und Schüler pro 100 Einwohnende. Unter diesen Bedingungen und ohne erweiternde Massnahmen wären sämtliche Schulzimmer als Klassenzimmer in Gebrauch. Raum für Gruppen- und Spezialzimmer würde mehrheitlich fehlen.
In den vergangenen vier Jahren verdoppelte sich die Nachfrage nach Tagesschulangeboten, obwohl das Bevölkerungswachstum nicht annähernd so gross war. Im laufenden Schuljahr 2024/25 werden ungefähr 730 Angebote nachgefragt, 2021/22 waren es rund 370 gewesen. An gewissen Tagen stösst der Mittagstisch bereits heute an Kapazitätsgrenzen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass nicht an jedem Tag gleich viele Tagesschul-Angebote nachgefragt werden und die maximale Auslastung nur punktuell eintritt. Durch das steigende Interesse von Familien an externen Betreuungsangeboten werden künftig noch mehr Tagesschulplätze benötigt.
Gemäss kantonalen Empfehlungen sollte eine Tagesschule über mindestens zwei Räume verfügen, um den unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht zu werden, die der Tagesablauf der Kinder und Jugendlichen bringt (Essen, Spielen, Hausaufgaben, Rückzug). Die Räume sollen zudem wohnlich und praktisch ausgebaut sein, pro Kind wird ein Raumanteil von 4 Quadratmetern (Gänge inklusive, ohne Küche und Toiletten) empfohlen. Zudem ist es ratsam, einen Raum für Einzelgespräche oder -arbeiten einzuplanen.
«Kehrsatz Mitte» gilt für die Dorfentwicklung von Kehrsatz als Jahrhundertprojekt. Zusammen mit der Burgergemeinde Bern, dem Kanton und der Bahngesellschaft BLS werden in einer ersten Etappe die Grundlagen für eine Überbauung mit 120 Wohneinheiten geschaffen. Zudem sollen polyvalente Gewerbeflächen und Einkaufsmöglichkeiten das Erdgeschoss beleben und einen Flächenanteil von rund 15 Prozent ausmachen.
Frühere Abstimmungen zeigten eine positive Grundhaltung zu Schulprojekten. 2015 hiess die Bevölkerung 5 Millionen Franken für die Sanierung des Schulhauses Selhofen gut, 2023 nahm sie die Einführung eines neuen Schulmodells an. Zudem wiesen im Wahlkampf für die Gemeinderatswahlen im Oktober 2024 alle Parteien darauf hin, dass Bedarf an zusätzlichem Schulraum besteht.
Die Doppelturnhalle der Sekundarschule und die Turnhalle der Primarschule auf der Anlage Selhofen decken den Bedarf der Gemeinde ausreichend ab. Das Lehrschwimmbecken im Selhofen erfüllt zudem die Bedürfnisse der Schule. Auch in den nächsten Jahren dürfte kein Bedarf für zusätzliche Hallen entstehen. Die Belegungszeiten sind nicht ausgereizt, derzeit ist Kehrsatz sogar in der Lage, die Hallen an Vereine aus anderen Gemeinden (FC Belp, FC Kaufdorf, TV Belp, Unihockey RK Gürbetal) zu vermieten. Der Aussenraum auf der Anlage Selhofen ist ebenfalls grosszügig gestaltet und bedarf keiner Anpassungen.
Die Strategie stärkt einerseits die Standorte Selhofen und Dorfschulhaus. Anderseits sollen im Laufe der Jahre bisherige Kindergärten aufgehoben (Bahnhofmatte, Mätteli, eventuell Hagwiesen), dafür zusätzlich zum Kindergarten Dorf zwei neue Doppelkindergärten gebaut werden, im Selhofen (seit August 2026 in Betrieb) und an einem zu definierenden Standort oberhalb der Bahnlinie. Für die Anlagen Selhofen und Dorf sind im Frühjahr 2026 zwei Projektwettbewerbe abgeschlossen werden; vorerst werden die Siegerprojekte «AUF DEN PUNKT» (Selhofen) und «MEHRKLANG» (Dorf) weiterbearbeitet, die nächsten Planungsschritte definiert und die Kosten optimiert und präzisiert. Der Zeitplan ist noch flexibel und hängt unter anderem von den finanziellen und personellen Ressourcen der Gemeinde und von den Fortschritten beim Projekt «Kehrsatz Mitte» ab.
Die Untersuchungen der Arbeitsgruppe zeigten, dass die stets engere Vernetzung von Tagesstrukturen und Kindergärten eine Zentralisierung bedingt. Daher ist das bisherige Konzept der Quartierkindergärten mittel- und langfristig nicht mehr geeignet. Ein Beispiel: Für die «Pedibus»-Begleitung von Kindergartenkindern zum Mittagstisch und in die Nachmittagsbetreuung und zurück trägt die Schule die Verantwortung. Je nach Alter und Entwicklung brauchen Kinder ganzjährig eine Begleitung, was sehr personalaufwändig ist. Daher ist es von grosser Bedeutung, dass der Schulweg sicher und nicht allzu lang ist. Das Ziel besteht darin, dass ihn alle Kinder selbständig bewältigen. Auch vor diesem Hintergrund soll die Nutzung langfristig sinnvoll gegliedert werden, mit den Standorten Selhofen, Dorfschulhaus und an einer zu definierenden Stelle oberhalb der Bahnlinie; die Örtlichkeiten werden über das Gemeindegebiet ausgeglichen verteilt, mit überall je zwei Kindergärten. Eine Konzentration der Standorte trägt zudem dazu bei, dass sich Betrieb und Unterhalt der Gebäude effizienter bewerkstelligen lassen.
Der Zustrom an zusätzlichen Schülerinnen und Schülern aus dem Dorfbereich oberhalb der Bahnlinie ist markant. Da der Kindergarten Bahnhofmatte der Überbauung «Kehrsatz Mitte» wird weichen müssen, benötigt die Gemeinde eine Lösung im oberen Dorfteil, an einem zu definierenden Standort. Beim Kindergarten Hagwiesenstrasse ist zu prüfen, ob für einen Doppelkindergarten ausreichend Platz zur Verfügung steht. Im Rahmen der Volumenstudie war das Gebäude an der Zimmerwaldstrasse 19 in Betracht gezogen worden. Diese Liegenschaft hatte sich die Gemeinde als Teil der strategischen Landreserve für die Neuanbindung der Zimmerwaldstrasse an die Umfahrungsstrasse (Stichwort: «Kehrsatz Mitte») gesichert. Die Liegenschaft verfügt über grosses Volumen wie auch über genügend Umschwung. Mittlerweile ist der Gemeinderat aber zur Ansicht gekommen, dass die Standortfrage vorderhand ergebnisoffen bleiben soll.
Mit der Umsetzung der beabsichtigten Massnahmen würde der Schulraum über 2040 hinaus ausreichen. Es würden in der Gemeinde genügend Kindergarten-Plätze, 27 Klassenzimmer (für durchgehend drei Klassen pro Stufe) und genügend Zimmer für Gruppen- und Fachräume zur Verfügung stehen.
Angesichts des zu erwartenden Zuwachses an Kindergartenkindern musste der Doppelkindergarten im Selhofen im Sommer 2026 bezugsbereit sein. Deshalb entschied sich der Gemeinderat dazu, das Projekt mit bewährten Kräften voranzutreiben, die die Kehrsatzer Schulinfrastruktur und Ortsplanung seit Jahren kennen. Zudem gab es ein qualitätssicherndes Workshopverfahren, das verschiedenste Fachpersonen (Architekten, Landschaftsarchitekten, Berner Heimatschutz) begleiteten. Das Verfahren sollte auch gewährleisten, dass sich der neue Kindergarten in die erhaltenswerte Gebäudestruktur des legendären Selhofen-Architekten Werner Künzi eingliedert. Am 18. Mai 2025 stimmte die Bevölkerung dem Verpflichtungskredit von 2,9 Millionen Franken für den Bau des neuen Kindergartens zu, am 20. Oktober 2025 fand die Grundsteinlegung statt - und im August 2026 zogen die ersten Kindergartenkinder in das neue Gebäude ein.
Das ganze Schulareal befindet sich im Besitz der Einwohnergemeinde Kehrsatz.
Im Zuge der laufenden Bauarbeiten für die neue Fernwärmezentrale im Selhofen liess sich der im August 2026 in Betrieb genommene Kindergarten teilweise auf deren Decke bauen. So war es möglich, dass Bauarbeiten quasi in einem Zug ausgeführt und Installationskosten geteilt wurden. Die nahtlose Umsetzung des neuen Kindergartens ermöglichte, dass im Vorfeld etwa Fundationsbereiche, Werkleitungsanschlüsse, Umgebungsgestaltung oder Bauinstallation synergetisch genutzt und umgesetzt wurden.
Nein, in den errechneten Kosten sollte alles enthalten sein. 2015 investierte die Gemeinde bereits 5 Millionen Franken in die Sanierung der Anlage.
Die Arbeitsgruppe setzt sich intensiv mit dieser Thematik auseinander. Derzeit ist noch nicht abzuschätzen, wo welches Material eingesetzt und welcher Energiestandard angestrebt wird.
Der Kindergartenunterricht ist vor allem im Bestreben nach möglichst kurzen Schulwegen an drei Standorten vorgesehen. Die Schülerinnen und Schüler der 1. bis 6. Klasse sind auf zwei Standorte verteilt. Nur die Schülerinnen und Schüler des Zyklus 3 (7. bis 9. Klasse) werden zentralisiert im Selhofen unterrichtet. Die Aufteilung der Primarstufe auf zwei Standorte macht auch weiterhin Sinn, weil künftig zwei Tagesschulen getrennt für kleinere (Kindergarten bis und mit 2. Klasse, Tagesschule Dorf) und ältere Kinder (Tagesschule Selhofen) angeboten werden sollen. Kleineren Kindern ist der Weg zu der eher am Rand der Gemeinde gelegenen Anlage Selhofen teilweise nicht zumutbar.
Die Arbeitsgruppe geht davon aus, dass die Investitionen in Schul-, Kindergarten- und Tagesschulbauten in den nächsten 10 bis 12 Jahren um die 20 Millionen Franken betragen werden. Die laufende Schulraumplanung muss aber zwingend im Kontext zum Gesamtfinanzplan gesehen werden, weitere beabsichtigte und notwendige Investitionen sind nicht ausser acht zu lassen. Die Schulraumplanung forciert nichts, was die Gemeinde womöglich nachhaltig belastet. Dafür steht das Vorgehen nach Abschluss des Projektwettbewerbs für die Schulstandorte Selhofen und Dorf 2026. Externe Kostenschätzungen zeigten, dass die Projekte in der vorliegenden Form zu teuer sind - deshalb werden sie nicht einfach so weitergezogen, sondern einer substanziellen Kostenprüfung unterzogen.
Die Kostenschätzungen werden laufend den aktuellen Erkenntnissen angepasst – oder wenn neue Kostenschätzungen und -berechnungen vorliegen. Die Planung erfolgt vorausschauend und forciert nichts, was die Gemeinde womöglich nachhaltig belastet. Aktualisierte Zahlen fliessen in die weiteren Planungen ein. Die Realisierung der Bauprojekte wird mittels Controlling überwacht.
Schulliegenschaften werden nach kantonalen Bestimmungen auf 33 Jahre abgeschrieben. Unter der Annahme eines Investitionsvolumens von 20 Millionen Franken im Schulbereich entstehen jährliche Abschreibungen von 600 000 Franken (3 %). Zum Vergleich: Die Einnahmen aus einem Steuerzehntel liegen bei etwa 700 000 Franken. Zusammen mit den Fremdkapitalzinsen fallen jährlich Kosten von mehr als 1 Million Franken an, was voraussichtlich wiederkehrend zu defizitären Abschlüssen führen wird.
Im Finanzplan sind bis 2029 Investitionen von 18 Millionen Franken im steuerfinanzierten Bereich und weitere 7,5 Millionen im gebührenfinanzierten Bereich vorgesehen. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob die Gemeinde in der Lage respektive bereit ist, diese Investitionen auch zu tätigen. Einerseits obliegt es dem neuen, im Herbst 2024 gewählten Gemeinderat, die Investitionen zu priorisieren, allenfalls zu straffen und zeitlich zu staffeln. Anderseits wird die Bevölkerung über die Kredite zu allen einzelnen Geschäften befinden dürfen. Kredite bis zu 1,2 Millionen Franken brauchen das Einverständnis von der Gemeindeversammlung, darüberliegende Finanzierungen kommen an die Urne.
Die Selbstfinanzierung der Gemeinde ist recht bescheiden. Deshalb führen die vorgesehenen Investitionen gleichsam direkt im selben Umfang zu einer Neuverschuldung, die Fremdverschuldung steigt von heute 6 auf rund 25 Millionen Franken an. Als direkte Folge fallen Fremdkapitalzinsen von 0,5 Millionen Franken an (Zinsannahme: 2 %). Dadurch wird der Spielraum für positive Rechnungsabschlüsse eingeschränkt. Gemeinden kommen aber immer wieder in Phasen der Erneuerungs- und Erweiterungsinvestitionen. Eine zusätzliche Haushaltsverschuldung ist in solchen Phasen nicht aussergewöhnlich und kaum zu umgehen, soll aber ein gewisses Mass nicht überschreiten und von beschränkter Dauer sein.
Mit einer Straffung der Projekte (Raumprogramm, Ausstattung, Einrichtung) lassen sich Kosten womöglich senken, und mit einer zeitlich grosszügigen Etappierung ist es allenfalls möglich, die Investitionen besser zu verteilen. Zudem könnten Desinvestitionen einen dämpfenden Effekt haben. Auch die teilweise mögliche Entnahme der zusätzlichen Abschreibungskosten aus der Spezialfinanzierung Mehrwertabschöpfung wurde bisher nicht näher analysiert. Dieser Spezialfonds dient grundsätzlich der Finanzierung der Folgekosten aus Infrastrukturbauten; in welcher Höhe und wie lange die steigenden Abschreibungen aus diesem Topf finanziert werden sollen, wird der Gemeinderat zu gegebener Zeit beschliessen.
Desinvestitionen sind in geringem Masse möglich. So liessen sich die Parzelle beim Reservoir Hubel und die kürzlich erworbene Liegenschaft Zimmerwaldstrasse 11 verkaufen. Sobald nicht mehr benutzte Kindergartengebäude nicht mehr in Betrieb sind, wären auch diese Parzellen nach einer Umzonung (von einer «Zone für öffentliche Nutzung» in eine Bauzone) veräusserbar. Diese Desinvestitionen würden aber nicht ausreichen, um die finanziellen Auswirkungen der anderen Investitionen substanziell zu mildern.
Die Urnenabstimmung für den Kredit von 2,9 Millionen Franken zur Realisierung des Doppelkindergartens im Selhofen fand am 18. Mai 2025 statt. Die Bevölkerung bewilligte das Geschäft mit einer Zustimmung von 81 Prozent. Die Planungskosten für die Vorbereitungen der weiteren Neu- und Umbauten an den Standorten Selhofen und Dorf genehmigten die 58 anwesenden Stimmberechtigten an der Gemeindeversammlung vom 16. Juni 2025 einstimmig. Weitere Abstimmungsgeschäfte sind noch nicht terminiert. Vorerst werden die Siegerprojekte für die Schulanlagen Selhofen und Dorf weiterbearbeitet und die Kosten optimiert und präzisiert. Nach heutigem Planungsstand könnte der Bevölkerung im Sommer 2027 ein Projektierungskredit für den Standort Selhofen vorgelegt werden.
Gemäss dem Organisationsreglement der Gemeinde muss an der Urne erst über Geschäfte abgestimmt werden, die 1,2 Millionen Franken übersteigen.
Die Bevölkerung darf über die Kredite zu allen einzelnen Massnahmen befinden. Kredite bis zu 1,2 Millionen Franken brauchen das Einverständnis von der Gemeindeversammlung, darüberliegende Finanzierungen kommen an die Urne.
Der Gemeinderat ist sich bewusst, dass das Umfeld der Schul- und Kindergartenanlage Dorf ortsbaulich sensibel ist. Zudem ist die bestehende Erschliessung nicht optimal, da die Zufahrt auch als Durchfahrt zu einigen nahestehenden Liegenschaften dient. Auf dem Weg zu ihren Liegenschaften bleibt Anwohnenden nichts anderes übrig, als durch den Pausenplatz zu fahren. Deshalb strebt der Gemeinderat für das Schulareal eine neue Erschliessung an. Das Siegerprojekt aus dem Projektwettbewerb für die Anlage Dorf verfolgt den Ansatz, den Autoverkehr stärker vom Schul- und Kindergartenareal zu trennen. Davon profitieren auch die Bewohnenden der rückwärtigen Liegenschaften: Ihre Zu- und Wegfahrt soll dereinst weniger mit dem Schulbetrieb in Konflikt geraten. Es geht nicht darum, den Verkehr einfach an einen anderen Ort zu verschieben, sondern zwei heute überlagerte Nutzungen – Schulhof und private Erschliessung – besser voneinander zu trennen. Im Rahmen der Weiterbearbeitung wird zudem geprüft, wie sich der Bring- und Holverkehr besser organisieren lässt. Die konkrete Verkehrsführung wird im weiteren Planungsprozess vertieft. Dem Gemeinderat ist es ein Anliegen, die umliegenden Eigentumsbesitzenden frühzeitig in den Prozess einzubinden und deren Anliegen anzuhören und aufzunehmen.
Die treibende Kraft für die beabsichtigten Massnahmen ist die Absicht des Gemeinderats, die Schulen von Kehrsatz zukunftsfähig zu machen – mit Blick auf Veränderungen im Schulunterricht einerseits, auf die steigende Bevölkerungszahl anderseits. Auf die steigende Zahl von Schülerinnen und Schülern hat «Kehrsatz Mitte» einen gewissen Einfluss, auch ohne dieses Projekt wären Massnahmen aber nötig – angesichts des steigenden Interesses von Familien an externen Betreuungsangeboten oder auch der stets engeren Vernetzung von Tagesstrukturen und Kindergärten.
«AUF DEN PUNKT» überzeugte die Jury namentlich durch den sorgfältigen Umgang mit der bestehenden Schulanlage. Die neue Tagesschule wird als eigenständiger Bau im Nordosten des Areals platziert. Die zusätzlich benötigten Schulräume sollten mit gezielten An-, Aus- und Aufbauten an den bestehenden Gebäuden geschaffen werden. Teile des Oberstufenschulhauses stehen heute beispielsweise auf Stützen. Die darunterliegenden, heute offenen und bereits überdeckten Flächen sollen teilweise mit Aussenwänden geschlossen und als zusätzliche Unterrichts- und Fachräume genutzt werden. So schafft das Projekt den benötigten zusätzlichen Raum, ohne den Freiraum der Anlage wesentlich zu beeinträchtigen. Eine weitere Stärke liegt in der Etappierbarkeit. Die einzelnen Massnahmen lassen sich weitgehend unabhängig voneinander und zeitlich gestaffelt umsetzen, was Spielraum schafft für die weitere Planung und Optimierung. Die etappierte Bauweise bietet auch Vorteile für den Schulbetrieb: Nach heutigem Planungsstand lassen sich wesentliche Arbeiten bei laufendem Betrieb ausführen, wenn auch mit gewissen Einschränkungen.
Die Idee verbindet schulbetriebliche und wirtschaftliche Vorteile mit einem sorgfältigen Umgang mit dem Ortsbild. Eine Stärke liegt in der flexiblen Etappierung: Die einzelnen Gebäudeteile lassen sich weitgehend unabhängig voneinander weiterentwickeln. So hat die Gemeinde die Möglichkeit, die Umsetzung auf den tatsächlichen Bedarf und die finanziellen Möglichkeiten abzustimmen. Zudem fügt sich der zweigeschossige Neubau gut in die Umgebung ein. Er bleibt bewusst niedriger als der grosse bestehende Baukörper und schafft einen angemessenen Übergang zum angrenzenden Quartier. Zudem schnitt «Mehrklang» auch betreffend Kosten im Vergleich mit anderen Wettbewerbsbeiträgen gut ab.
Bei Neu- und Umbauten sind die gesetzlichen Anforderungen an die Hindernisfreiheit zu berücksichtigen. Das Behindertengleichstellungsgesetz verlangt, dass die betreffenden Gebäude für Menschen mit Behinderungen zugänglich und nutzbar sind. Wo verschiedene Geschosse erschlossen werden, sind deshalb teilweise Lifte erforderlich, was sowohl Gebäude am Standort Dorf als auch im Selhofen betrifft.
Würden die Siegerprojekte 1:1 umgesetzt, läge das Gesamtprojekt laut ersten externen Schätzungen über dem vorgesehenen Kostenrahmen von 20 Millionen Franken. Mit dem Wettbewerbsabschluss begann die Überarbeitungsphase der Siegerprojekte – was einerseits einem gewöhnlichen Vorgang gleichkommt, anderseits einer substanziellen Kostenüberprüfung und der Suche nach Reduktions- und Sparmöglichkeiten geschuldet ist. Der Gemeinderat nimmt die Verantwortung wahr und forciert nichts, was Kehrsatz nachhaltig belastet. Die Planung erfolgt weiterhin vorausschauend und transparent. Im Selhofen werden nach ersten Optimierungsdurchgängen Abstriche erwogen, mit denen sich rund 5 Millionen Franken einsparen liessen, womit das Selhofen-Projekt nach heutigem Stand knapp 14 Millionen Franken kosten würde.
Doch, diese Zielgrösse gilt weiterhin. Mit dem laufenden Überarbeitungsprozess verfolgt der Gemeinderat das Ziel, dem Rahmen möglichst nahe zu kommen und der Bevölkerung letztlich sinnvolle Projekte respektive zumutbare Bewilligungskredite vorzulegen. Der Kostenrahmen von 20 Millionen Franken war den Wettbewerb-Teilnehmenden bewusst nicht als verbindliche Vorgabe mitgegeben worden. Gleichzeitig kamen im Verlauf der Ausarbeitung des Wettbewerbs zusätzliche Anforderungen hinzu, beispielsweise die Produktionsküche im Selhofen.
Bei beiden Siegerprojekten wird geprüft, wie sich die Kosten reduzieren lassen, ohne die wesentlichen Qualitäten infrage zu stellen. In Selhofen wird erwogen, auf die Produktionsküche zu verzichten und stattdessen einen flexibel nutzbaren Allzweckraum zu bauen. Idealerweise wird dieser Raum so konzipiert, dass ein späterer Umbau zur Küche möglich bleibt. Auch zur Debatte steht der Verzicht auf die Aufstockung des Oberstufenschulhauses, auf das Halbgeschoss auf dem Neubau und auf den Unterstand zwischen Oberstufen- und Primarschulhaus. Beim Dorfschulhaus sind die Abklärungen weniger fortgeschritten, was auch daran liegt, dass Selhofen planerisch Priorität geniesst. Bei der Anlage Dorf wird etwa geprüft, ob sich das Volumen des Neubaus reduzieren und der vorhandene Raum im alten Dorfschulhaus besser nutzen lässt. Bei der Überprüfung des Raumbedarf werden sowohl die aktualisierten Schülerinnen- und Schülerzahlen als auch die heutigen pädagogischen Anforderungen berücksichtigt. Ziel ist, eine bedarfsgerechte Lösung zu finden und mit den Mitteln der Gemeinde haushälterisch umzugehen.
Aus Sicht der Schulleitung besteht in Selhofen grössere Dringlichkeit. Ein wesentlicher Treiber ist der Bedarf an zusätzlichen Gruppenräumen. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Tagesschulplätzen weiter. An gewissen Tagen stösst der Mittagstisch bereits heute an Kapazitätsgrenzen. Nach einer zwischenzeitlichen Konsolidierung rechnet die Gemeinde ab etwa 2030/31 mit einem weiteren Wachstumsschub, auch infolge von «Kehrsatz Mitte», einem Jahrhundertprojekt für die Dorfentwicklung von Kehrsatz.
Die Tagesschule soll sich an der Organisation der Schule und am Alter der Kinder orientieren. Der Zyklus 1 mit den jüngsten Schülerinnen und Schülern der ersten und zweiten Klasse ist am Standort Dorf untergebracht. Für diese Kinder empfiehlt es sich, die Tagesschule am selben Standort anzubieten und zusätzliche Wege zwischen den Schulanlagen zu vermeiden.Die Schülerinnen und Schüler der Zyklen 2 und 3 besuchen die Schule im Selhofen. Ihre Bedürfnisse unterscheiden sich von jenen der jüngeren Kinder, und sie sind selbständiger unterwegs. Die Aufteilung auf zwei Standorte schafft zudem eine gewisse Flexibilität: Je nach Platzangebot sind bei den älteren Schülerinnen und Schülern auch Lösungen am jeweils anderen Standort denkbar.
Nach heutigem Stand lässt sich der Ausbau am Standort Selhofen ohne Steuererhöhung finanzieren. Mit Blick auf die weiteren Investitionen der Schulraumplanung lässt sich eine spätere Steuererhöhung nicht ausschliessen. Ob und wann sie nötig wird, hängt vom Umfang der weiteren Projekte und von der künftigen Finanzlage der Gemeinde ab.
Die Siegerprojekte bilden die Grundlage für die weitere Planung, sind aber keine unveränderlichen Ausführungsprojekte. Eine Weiterbearbeitung und Optimierung gehört zum Verfahren. Überarbeitungen sind nicht unbegrenzt möglich, die wesentlichen Qualitäten und der Charakter des ausgezeichneten Projekts müssen erhalten bleiben. Deshalb hat eine Gemeinde bei grösseren Anpassungen mit der Jury abzustimmen, ob das überarbeitete Projekt noch mit dem Wettbewerbsergebnis vereinbar ist. Damit wird verhindert, dass durch die Kostenoptimierung schrittweise ein Projekt entsteht, das sich vom Siegerprojekt zu sehr unterscheidet.
Ein Ansatz des Siegerprojekts besteht darin, den Autoverkehr stärker vom Schul- und Kindergartenareal zu trennen. Heute führt die Zufahrt zu einigen nahestehenden Wohnhäusern durch den Pausenplatz. Diese Erschliessung soll stärker an den Rand des Areals verlegt werden, damit der Verkehr dort reduziert ist, wo sich die Kinder aufhalten. Davon profitieren auch die Bewohnenden der rückwärtigen Liegenschaften: Ihre Zu- und Wegfahrt soll dereinst weniger mit dem Schulbetrieb in Konflikt geraten. Es geht nicht darum, den Verkehr einfach an einen anderen Ort zu verschieben, sondern zwei heute überlagerte Nutzungen – Schulhof und private Erschliessung – besser voneinander zu trennen. Im Rahmen der Weiterbearbeitung wird zudem geprüft, wie sich der Bring- und Holverkehr besser organisieren lässt. Denkbar ist eine «Kiss and Ride»-Möglichkeit, bei der Kinder an einem geeigneten Ort aussteigen und die Autos gleich wieder wegfahren. Die konkrete Verkehrsführung wird im weiteren Planungsprozess vertieft.
Die Rückmeldungen aus der Bevölkerung wurden bei der Vorbereitung der Projektwettbewerbe ausgewertet. Anliegen und Hinweise, die für die weitere Planung relevant waren, flossen in die Ausschreibungen und damit in die Aufgabenstellungen für die Planungsteams ein. Die Wettbewerbsprojekte entstanden somit auch auf der Grundlage von Erkenntnissen aus dem bisherigen Dialog mit der Bevölkerung. Konkret betrafen die Rückmeldungen beispielsweise den Erhalt und die Nutzung von Rasen- und Freiflächen, die heutige Erschliessung über den Schulhausplatz sowie den Wunsch nach flexibel nutzbaren Räumen. Auch die Auswirkungen der künftigen Entwicklung auf die Anwohnerinnen und Anwohner waren ein Thema.
Die Bevölkerung soll weiterhin regelmässig informiert und in die Planung einbezogen werden. Inwiefern dieser Einbezug erfolgt, wird erst nach der Weiterbearbeitung der Siegerprojekte und der Kostenoptimierung definiert. Der Gemeinderat ist sich weiterhin bewusst, dass namentlich das Umfeld der Schul- und Kindergartenanlage Dorf ortsbaulich sensibel ist. Anwohnende, die von möglichen baulichen Massnahmen unmittelbar betroffen sind, werden proaktiv informiert.
Vorerst werden die Siegerprojekte weiterbearbeitet, die nächsten Planungsschritte definiert und die Kosten optimiert und präzisiert. Nach heutigem Planungsstand könnte der Bevölkerung im Sommer 2027 ein Projektierungskredit für den Standort Selhofen vorgelegt werden. Kredite bis zu 1,2 Millionen Franken benötigen die Zustimmung der Gemeindeversammlung; über höhere Kredite wird an der Urne abgestimmt.
Die Gemeinde plant bewusst langfristig. Seit dem Start der laufenden Schulraumplanung gilt das Credo, dass sie zwingend im Kontext zum Gesamtfinanzplan gesehen werden muss. Weitere beabsichtigte und notwendige Investitionen sind nicht ausser acht zu lassen. Die Schulraumplanung umfasst mehrere grössere Bauvorhaben, die sich nicht gleichzeitig umsetzen lassen. Neben den finanziellen Möglichkeiten spielen auch die personellen Ressourcen der Gemeindeverwaltung und der laufende Schulbetrieb wichtige Rollen. Die einzelnen Vorhaben müssen deshalb sinnvoll aufeinander abgestimmt und etappiert werden.