Seit Frühjahr 2026 liegen die Ergebnisse der Projektwettbewerbe für die Schulstandorte Selhofen und Dorf vor. Mit «AUF DEN PUNKT» für Selhofen und «Mehrklang» für die Anlage Dorf haben die Preisgerichte zwei Projekte zur Weiterbearbeitung ausgewählt. Sie zeigen, wie sich der zusätzliche und veränderte Raumbedarf an beiden Standorten grundsätzlich lösen lässt. Gleichzeitig bieten beide Projekte Möglichkeiten für eine gestaffelte Umsetzung.
Die Siegerprojekte sind keine fertigen Bauprojekte. Mit dem Abschluss der Wettbewerbe hat die nächste Planungsphase begonnen. Dimensionierung, Etappierung, betriebliche Fragen und Kosten werden vertieft geprüft. In der vorliegenden Form liegen die Projekte über dem vorgesehenen Kostenrahmen. Die Gemeinde untersucht deshalb, wie sich Umfang und Kosten reduzieren lassen, ohne die wesentlichen Qualitäten der Siegerprojekte infrage zu stellen.
Der Bedarf an Schulraum hängt nicht allein von der Entwicklung der Schülerzahlen ab. Schule braucht heute andere Räume als vor 50 Jahren. Lehrplan 21 und integrative Schule haben die Anforderungen an den Unterricht verändert – und damit auch die Ansprüche an den Schulraum. Individuelle Förderung, Lernen und Lehren in kleineren Gruppen und Spezialunterricht benötigen geeignete und flexibel nutzbare Räume.
Die Kehrsatzer Schulraumplanung erfolgt weiterhin vorausschauend und transparent und forciert nichts, was die Gemeinde womöglich nachhaltig belastet. Die verschiedenen Vorhaben werden nicht gleichzeitig umgesetzt, sondern nach Bedarf priorisiert und über mehrere Jahre etappiert. Seit Planungsbeginn geht die Gemeinde von einem Zeithorizont von rund zehn bis zwölf Jahren aus und betrachtet die Schulraumplanung im Zusammenhang mit dem Gesamtfinanzplan.
«AUF DEN PUNKT» überzeugte die Jury namentlich durch den sorgfältigen Umgang mit der bestehenden Schulanlage. Die neue Tagesschule wird als eigenständiger Bau im Nordosten des Areals platziert. Die zusätzlich benötigten Schulräume sollten mit gezielten An-, Aus- und Aufbauten an den bestehenden Gebäuden geschaffen werden. Teile des Oberstufenschulhauses stehen heute beispielsweise auf Stützen. Die darunterliegenden, heute offenen und bereits überdeckten Flächen sollen teilweise mit Aussenwänden geschlossen und als zusätzliche Unterrichts- und Fachräume genutzt werden. So schafft das Projekt den benötigten zusätzlichen Raum, ohne den Freiraum der Anlage wesentlich zu beeinträchtigen. Eine weitere Stärke liegt in der Etappierbarkeit. Die einzelnen Massnahmen lassen sich weitgehend unabhängig voneinander und zeitlich gestaffelt umsetzen, was Spielraum schafft für die weitere Planung und Optimierung. Die etappierte Bauweise bietet auch Vorteile für den Schulbetrieb: Nach heutigem Planungsstand lassen sich wesentliche Arbeiten bei laufendem Betrieb ausführen, wenn auch mit gewissen Einschränkungen.
Die Idee verbindet schulbetriebliche und wirtschaftliche Vorteile mit einem sorgfältigen Umgang mit dem Ortsbild. Eine Stärke liegt in der flexiblen Etappierung: Die einzelnen Gebäudeteile lassen sich weitgehend unabhängig voneinander weiterentwickeln. So hat die Gemeinde die Möglichkeit, die Umsetzung auf den tatsächlichen Bedarf und die finanziellen Möglichkeiten abzustimmen. Zudem fügt sich der zweigeschossige Neubau gut in die Umgebung ein. Er bleibt bewusst niedriger als der grosse bestehende Baukörper und schafft einen angemessenen Übergang zum angrenzenden Quartier. Zudem schnitt «Mehrklang» auch betreffend Kosten im Vergleich mit anderen Wettbewerbsbeiträgen gut ab.
Bei Neu- und Umbauten sind die gesetzlichen Anforderungen an die Hindernisfreiheit zu berücksichtigen. Das Behindertengleichstellungsgesetz verlangt, dass die betreffenden Gebäude für Menschen mit Behinderungen zugänglich und nutzbar sind. Wo verschiedene Geschosse erschlossen werden, sind deshalb teilweise Lifte erforderlich, was sowohl Gebäude am Standort Dorf als auch im Selhofen betrifft.
Würden die Siegerprojekte 1:1 umgesetzt, läge das Gesamtprojekt laut ersten externen Schätzungen über dem vorgesehenen Kostenrahmen von 20 Millionen Franken. Mit dem Wettbewerbsabschluss begann die Überarbeitungsphase der Siegerprojekte – was einerseits einem gewöhnlichen Vorgang gleichkommt, anderseits einer substanziellen Kostenüberprüfung und der Suche nach Reduktions- und Sparmöglichkeiten geschuldet ist. Der Gemeinderat nimmt die Verantwortung wahr und forciert nichts, was Kehrsatz nachhaltig belastet. Die Planung erfolgt weiterhin vorausschauend und transparent. Im Selhofen werden nach ersten Optimierungsdurchgängen Abstriche erwogen, mit denen sich rund 5 Millionen Franken einsparen liessen, womit das Selhofen-Projekt nach heutigem Stand knapp 14 Millionen Franken kosten würde.
Doch, diese Zielgrösse gilt weiterhin. Mit dem laufenden Überarbeitungsprozess verfolgt der Gemeinderat das Ziel, dem Rahmen möglichst nahe zu kommen und der Bevölkerung letztlich sinnvolle Projekte respektive zumutbare Bewilligungskredite vorzulegen. Der Kostenrahmen von 20 Millionen Franken war den Wettbewerb-Teilnehmenden bewusst nicht als verbindliche Vorgabe mitgegeben worden. Gleichzeitig kamen im Verlauf der Ausarbeitung des Wettbewerbs zusätzliche Anforderungen hinzu, beispielsweise die Produktionsküche im Selhofen.
Bei beiden Siegerprojekten wird geprüft, wie sich die Kosten reduzieren lassen, ohne die wesentlichen Qualitäten infrage zu stellen. In Selhofen wird erwogen, auf die Produktionsküche zu verzichten und stattdessen einen flexibel nutzbaren Allzweckraum zu bauen. Idealerweise wird dieser Raum so konzipiert, dass ein späterer Umbau zur Küche möglich bleibt. Auch zur Debatte steht der Verzicht auf die Aufstockung des Oberstufenschulhauses, auf das Halbgeschoss auf dem Neubau und auf den Unterstand zwischen Oberstufen- und Primarschulhaus. Beim Dorfschulhaus sind die Abklärungen weniger fortgeschritten, was auch daran liegt, dass Selhofen planerisch Priorität geniesst. Bei der Anlage Dorf wird etwa geprüft, ob sich das Volumen des Neubaus reduzieren und der vorhandene Raum im alten Dorfschulhaus besser nutzen lässt. Bei der Überprüfung des Raumbedarf werden sowohl die aktualisierten Schülerinnen- und Schülerzahlen als auch die heutigen pädagogischen Anforderungen berücksichtigt. Ziel ist, eine bedarfsgerechte Lösung zu finden und mit den Mitteln der Gemeinde haushälterisch umzugehen.
Aus Sicht der Schulleitung besteht in Selhofen grössere Dringlichkeit. Ein wesentlicher Treiber ist der Bedarf an zusätzlichen Gruppenräumen. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Tagesschulplätzen weiter. An gewissen Tagen stösst der Mittagstisch bereits heute an Kapazitätsgrenzen. Nach einer zwischenzeitlichen Konsolidierung rechnet die Gemeinde ab etwa 2030/31 mit einem weiteren Wachstumsschub, auch infolge von «Kehrsatz Mitte», einem Jahrhundertprojekt für die Dorfentwicklung von Kehrsatz.
Die Tagesschule soll sich an der Organisation der Schule und am Alter der Kinder orientieren. Der Zyklus 1 mit den jüngsten Schülerinnen und Schülern der ersten und zweiten Klasse ist am Standort Dorf untergebracht. Für diese Kinder empfiehlt es sich, die Tagesschule am selben Standort anzubieten und zusätzliche Wege zwischen den Schulanlagen zu vermeiden.Die Schülerinnen und Schüler der Zyklen 2 und 3 besuchen die Schule im Selhofen. Ihre Bedürfnisse unterscheiden sich von jenen der jüngeren Kinder, und sie sind selbständiger unterwegs. Die Aufteilung auf zwei Standorte schafft zudem eine gewisse Flexibilität: Je nach Platzangebot sind bei den älteren Schülerinnen und Schülern auch Lösungen am jeweils anderen Standort denkbar.
Nach heutigem Stand lässt sich der Ausbau am Standort Selhofen ohne Steuererhöhung finanzieren. Mit Blick auf die weiteren Investitionen der Schulraumplanung lässt sich eine spätere Steuererhöhung nicht ausschliessen. Ob und wann sie nötig wird, hängt vom Umfang der weiteren Projekte und von der künftigen Finanzlage der Gemeinde ab.
Die Siegerprojekte bilden die Grundlage für die weitere Planung, sind aber keine unveränderlichen Ausführungsprojekte. Eine Weiterbearbeitung und Optimierung gehört zum Verfahren. Überarbeitungen sind nicht unbegrenzt möglich, die wesentlichen Qualitäten und der Charakter des ausgezeichneten Projekts müssen erhalten bleiben. Deshalb hat eine Gemeinde bei grösseren Anpassungen mit der Jury abzustimmen, ob das überarbeitete Projekt noch mit dem Wettbewerbsergebnis vereinbar ist. Damit wird verhindert, dass durch die Kostenoptimierung schrittweise ein Projekt entsteht, das sich vom Siegerprojekt zu sehr unterscheidet.
Ein Ansatz des Siegerprojekts besteht darin, den Autoverkehr stärker vom Schul- und Kindergartenareal zu trennen. Heute führt die Zufahrt zu einigen nahestehenden Wohnhäusern durch den Pausenplatz. Diese Erschliessung soll stärker an den Rand des Areals verlegt werden, damit der Verkehr dort reduziert ist, wo sich die Kinder aufhalten. Davon profitieren auch die Bewohnenden der rückwärtigen Liegenschaften: Ihre Zu- und Wegfahrt soll dereinst weniger mit dem Schulbetrieb in Konflikt geraten. Es geht nicht darum, den Verkehr einfach an einen anderen Ort zu verschieben, sondern zwei heute überlagerte Nutzungen – Schulhof und private Erschliessung – besser voneinander zu trennen. Im Rahmen der Weiterbearbeitung wird zudem geprüft, wie sich der Bring- und Holverkehr besser organisieren lässt. Denkbar ist eine «Kiss and Ride»-Möglichkeit, bei der Kinder an einem geeigneten Ort aussteigen und die Autos gleich wieder wegfahren. Die konkrete Verkehrsführung wird im weiteren Planungsprozess vertieft.
Die Rückmeldungen aus der Bevölkerung wurden bei der Vorbereitung der Projektwettbewerbe ausgewertet. Anliegen und Hinweise, die für die weitere Planung relevant waren, flossen in die Ausschreibungen und damit in die Aufgabenstellungen für die Planungsteams ein. Die Wettbewerbsprojekte entstanden somit auch auf der Grundlage von Erkenntnissen aus dem bisherigen Dialog mit der Bevölkerung. Konkret betrafen die Rückmeldungen beispielsweise den Erhalt und die Nutzung von Rasen- und Freiflächen, die heutige Erschliessung über den Schulhausplatz sowie den Wunsch nach flexibel nutzbaren Räumen. Auch die Auswirkungen der künftigen Entwicklung auf die Anwohnerinnen und Anwohner waren ein Thema.
Die Bevölkerung soll weiterhin regelmässig informiert und in die Planung einbezogen werden. Inwiefern dieser Einbezug erfolgt, wird erst nach der Weiterbearbeitung der Siegerprojekte und der Kostenoptimierung definiert. Der Gemeinderat ist sich weiterhin bewusst, dass namentlich das Umfeld der Schul- und Kindergartenanlage Dorf ortsbaulich sensibel ist. Anwohnende, die von möglichen baulichen Massnahmen unmittelbar betroffen sind, werden proaktiv informiert.
Vorerst werden die Siegerprojekte weiterbearbeitet, die nächsten Planungsschritte definiert und die Kosten optimiert und präzisiert. Nach heutigem Planungsstand könnte der Bevölkerung im Sommer 2027 ein Projektierungskredit für den Standort Selhofen vorgelegt werden. Kredite bis zu 1,2 Millionen Franken benötigen die Zustimmung der Gemeindeversammlung; über höhere Kredite wird an der Urne abgestimmt.
Die Gemeinde plant bewusst langfristig. Seit dem Start der laufenden Schulraumplanung gilt das Credo, dass sie zwingend im Kontext zum Gesamtfinanzplan gesehen werden muss. Weitere beabsichtigte und notwendige Investitionen sind nicht ausser acht zu lassen. Die Schulraumplanung umfasst mehrere grössere Bauvorhaben, die sich nicht gleichzeitig umsetzen lassen. Neben den finanziellen Möglichkeiten spielen auch die personellen Ressourcen der Gemeindeverwaltung und der laufende Schulbetrieb wichtige Rollen. Die einzelnen Vorhaben müssen deshalb sinnvoll aufeinander abgestimmt und etappiert werden.